Story – Digitale Kirche

 In Blogpost, Pressemitteilung

Wie bekommen wir Andacht nach Hause?
Eine Betrachtung zu Symbolik und Vertrautheit in Zeiten der Distanz oder Digitalisierung

von Ann-Christin Hohaus und Malin Olivia Soeder

Digitale Kirche – Was ist das eigentlich?
Verkündigung, Bildung, Unterstützung, Seelsorge und Leitung einer Gemeinde sind wichtige Kompetenzen von kirchlichen Hauptamtlichen, wie Theolog*innen, Diakon*innen, Gemeindereferent*innen, Musiker*innen und Küster*innen. Dabei übernehmen Theolog*innen, Diakon*innen und Gemeindereferent*innen meist zusammen als Team die Gemeindeleitung. Damit ist nur ein Bruchteil der üblichen Aktivitäten der Hauptamtlichen der analogen Kirchen genannt. Durch das gute Zusammenspiel aller Akteur*innen fungiert die analoge Gemeinschaft als nahrhafter Zusammenschluss unterschiedlichster Menschen. Die analoge Kirche in persona kennen wir gut, haben ein klares Bild vor Augen, kennen die Rollen der Mitglieder und haben ein Gefühl für die Stimmungen und Bedürfnisse der Gemeindemitglieder.

Im World Wide Web auf Distanz ist das Leben schnell. Wir können in Echtzeit auf Inhalte zugreifen, andere Menschen kontaktieren und uns austauschen. Diese Möglichkeiten eröffnen Flexibilität. Diese Flexibilität braucht es im modernen, oft schnellen und komplex verbundenen Alltag und nimmt gleichsam unseren Routinen die bisherige örtliche Fixierung. Viele Formen der analogen Kirche können die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen, neue Räume erschaffen und Menschen auch in großen Distanzen miteinander verbinden. Eine Herausforderung besteht darin Rituale digital zuzulassen. Wie also schaffen wir Rituale, Verbundenheit und Gemeinschaft in einer Welt, in welcher wir uns nicht persönlich gegenübersitzen (können)?

Wie Gemeinden mit Distanz und digitalen Medien umgehen
Auch der digitale Weg kann ein guter Weg sein, Menschen in ihrem mehrdimensionalen Lebensraum und ihrer flexiblen Lebenswirklichkeit zu begegnen. Hierbei ist der eine Weg nicht besser als der andere, sie sind einfach verschieden – so wie auch unsere Leben es sind. Die digitale Kirche schafft Angebote auf verschiedensten Plattformen: Sie präsentiert sich im Radio, Fernsehen, Internet und am Telefon mit Impulsen, Andachten, Gebet und Seelsorgegesprächen. Durch Frage-/Antwort-Tools auf Instagram schafft digitale Kirche Vernetzung zwischen Gläubigen. Hierbei entstehen online Gemeinden und Verbundenheit. Distanzen werden überwunden und ein*e Jede*r kann ihren*seinen Platz ganz individuell angepasst finden.

Das breite digitale Angebot beweist, dass fast jede Form der analogen Kirche auch in der digitalen Kirche ihren Platz finden kann. Die Auswahl erscheint fast unendlich! Dabei ist Jede*r dazu angehalten sich einzubringen. Die aktive Entscheidung genau jetzt und in diesem Moment Gemeinschaft zu leben, ist vielleicht einer der größten Unterschiede in der Akzeptanz beider Welten: Während in der analogen Welt Rituale, feste Zeiten und Abläufe einen wesentlichen Teil der gemeinsamen Erfahrung ausmacht, so ist es in der analogen Welt möglich zu jeder Zeit Inhalte aufzurufen, Gedanken zu teilen und auf Menschen zu reagieren. Beiträge können begonnen und kurz zur Seite gelegt werden, es können Videos pausiert werden. Die große Herausforderung besteht also auch darin Rituale zuzulassen. Wie also schaffen wir Rituale, Verbundenheit und Gemeinschaft in einer Welt, in welcher wir pausieren und spulen können?

Schaffen wir Rituale durch Vertrautheit
Für manche Menschen dürften die gewohnten Prediger*innen schon genug Heimat und Vertrautheit schenken, um die Gemeinschaft der Gemeinde im eigenen Wohnzimmer spüren zu können. Dies ist nicht zu unterschätzen, denn gerade die Gemeinschaft in Glauben und in der Gemeinde macht das Christ sein aus, wie auch im Matthäus Evangelium geschrieben ist.

Dabei können Menschen, die wir kennen, Orte und Bilder, die uns vertraut sind, uns dazu anhalten nicht auf Pause zu drücken, sondern die Gemeinschaft in ihrem rituellen Programm zuzulassen, wie wir es im analogen auch gewillt sind.
Gemeinschaft und Begleitung können Menschen auch alleine oder in kleinen Gruppen im eigenen Wohnzimmer spüren. Vertrautheit und Verbundenheit mit den andernorts Teilnehmenden geben uns Halt in Zeiten der Unsicherheit. Digitale Gemeinschaft kann ein rituelles Potenzial entwickeln und Menschen erreichen, wo Distanzen vorhanden sind oder eingehalten werden müssen.

Symbolik und Ritual schenken uns dabei Gegenstände, welche wir mit Gemeinschaft und Andacht verbinden. Eines der wirkungsvollsten und klassischsten Symbole ist die Kerze. Kerzenschein versetzt uns in einen vertrauten Zustand des Zur-Ruhe-Kommens und der Vertrautheit. Durch jahrhundertelange Symbolbedeutung der Kerze können wir uns nun in anderen Umgebungen an die vielen Zusammenkünfte des Feierns oder Trauerns im Kerzenschein erinnern. Wir verbinden selbst Gerüche und Geräusche mit dem Entzünden von Kerzen und dem gemeinsamen Beisammensein. Diese Rituale unserer Zeit könnten und sollten wir uns für die digitale Trauerarbeit zu eigen machen.
Das Wissen darüber, dass in diesem Moment, mir gegenüber zu sehen in einem Medium wie dem Laptop, mir vertraute Menschen sind, die ebenso wie ich eine Kerzen vor sich haben, kann ein tief emotionaler Moment sein. Ich fühle mich verbunden und in meiner Andacht aufgehoben.

Dies alles lässt sich als Plädoyer verstehen für die digitale Kirche, ihr eine Chance zu geben und ihr rituelles Potential zu entdecken. Die neuen Rituale in digitalen Welten sind kein Ersatz, sondern eine Erweiterung, eine Ergänzung, eine Möglichkeit für die Kommunikation des Evangeliums, der Botschaft. Die analoge Kirche wird mit ihren Ritualen und Traditionen auch weiterhin auf Zuspruch treffen, jedoch bietet das Internet der Kirche bei der Vermittlung ihrer Botschaft durch Rituale, Projekte oder Individuen eine weitere Möglichkeit, die in der Zukunft eine große Rolle spielt. Es erscheint wichtig als Gemeinde die digitalen Formate nicht in Konkurrenz zu den analogen zu sehen. Beides soll sich ergänzen und es ist doch wünschenswert, wenn Menschen in Zeiten von räumlicher Distanz Nähe über andere Kanäle suchen. Bestärken wir diese also darin beide Welten zu nutzen!

Über die Autorinnen

Ann-Christin Hohaus studiert Religionspädagogik und Gemeindediakonie mit Schwerpunkt Seelsorge und Gemeindewesen. Dabei befasst sie sich mit den Sinnfragen des Lebens und gemeindediakonischem Handeln. Ann-Christin Hohaus arbeitet seit Anfang 2020 als Werkstudentin für Heliotron und sorgt dafür, dass interne Prozesse optimiert und neue Impulse gesetzt werden. Zudem packt sie lang ersehnte Heliotron-Herzensprojekte an und unterstützt das Team in seinen Arbeitsprozessen.

Malin Olivia Soeder ist von Haus aus Ökonomin und arbeitet gemeinsam mit ihren Kolleg*innen daran das Unternehmen heute und in Zukunft bestmöglich aufzustellen. Als Assistentin der Geschäftsleitung arbeitet Malin strukturell in allen Bereichen mit, bringt unternehmensstrategische Projekte voran und behält dabei den Blick fürs große Ganze.

Digitalisierung und Heliotron
Auch wir haben als Familienunternehmen ganz klassisch mit der Hartwachskerze begonnen und den Sprung in die Moderne geschafft, ohne unseren Kern aus den Augen zu verlieren. Derweil arbeitet unser Team mit flachen Hierarchien in einem familiären offenen Großraumbüro jeden Tag für die Belange unserer Kund*innen. Dabei spielen digitale Arbeitswelten, welche wir im Homeoffice nutzen eine wichtige Rolle und bieten unseren Mitarbeitenden die nötige Flexibilität, die das Leben zu Weilen an uns stellt. Partizipation und Mitgestaltung werden bei uns großgeschrieben und wir möchten Menschen anziehen, die Lust haben mit uns die Welt des Kerzenlichts zu gestalten.

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